Samstag, August 15

Maskenpflicht ist nicht für Umsatzverlust des Einzelhandels verantwortlich

Maskenpflicht im Einzelhandel
Ist die Maskenpflicht für den Umsatzverlust des Einzelhandels verantwortlich? (Foto: Depositphotos)

Hygienemaßnahmen wie die Maskenpflicht werden immer öfter als Grund für die massiven Umsatzverluste im Einzelhandel und in der Gastronomie genannt. Die Stuttgarter Zeitung schlägt in dieselbe Kerbe und behauptet der Einzelhandel dränge auf Abschaffung der Maskenpflicht. Diese gesammelten Tendenzen sind eine komplett falsche Entwicklung, die den Handel endgültig an den Abgrund bringen kann.

Maskenpflicht und Hygienemaßnahmen verändern das Einkaufsverhalten

Die Stuttgarter Zeitung berichtet dass der Handelsverband Baden-Württemberg auf eine „Abschaffung der Maskenpflicht dränge“. Das ist so zwar nicht korrekt, denn auf Anfrage teilt mir der Pressesprecher des HBW mit, der Handelsverband dränge nicht auf eine Abschaffung der Maskenpflicht. Sondern vorrangig auf Erleichterungen für Angestellte, die den ganze Tag Masken tragen müssten. Der Verband betont es sei ihm wichtig im „Einklang mit den vorgegeben Hygieneschutzmaßnahmen des Landes zu agieren“. Kritisch steht der Verband der Maskenpflicht trotzdem gegenüber.

Die Maskenpflicht und die Hygienemaßnahmen haben unbestritten eine direkte Auswirkung auf das Einkaufsverhalten. Das sind aber eher organisatorische Veränderungen: Die Menschen müssen sich anders verhalten und benehmen. Eine negative Auswirkung auf den Umsatz haben die Maßnahmen dementsprechend nur da, wo die organisatorischen Veränderungen in direktem kausalen Zusammenhang zu direkten Folgen führen: Das sind sehr wenige. Die beiden größten Folgen: Zugangsbeschränkungen reduzieren die maximale Kundenfrequenz und damit den maximal möglichen Umsatz. Betriebsverbote in der Gastronomie reduzieren den Umsatz auf reinen Mitnahme und Lieferumsatz.

Dass der Umsatz dramatisch einbricht ist keine Folge der Hygienemaßnahmen oder der Maskenpflicht, sondern eine Folge des allgemeinen Konsumklimas.

Das Konsumklima zerstört den Umsatz, nicht die Hygienemaßnahmen

Wenn Experten und Medien immer wieder lapidar feststellen, dass der Shutdown und die Schutz-Maßnahmen Umsätze kosten, ist das zu einfach dargestellt. Der kausale Zusammenhang zwischen Betriebsverbot und Frequenzbeschränkung ist klar zu belegen. Die These, dass die Hygienemaßnahmen den Umsatzverlust erzeugen, ist hingegen nicht klar zu belegen. Es handelt sich nicht um einen Kausalzusammenhang, sondern um eine Korrelation. Soll heißen: Dass Menschen mit Masken auf dem Gesicht weniger ausgeben, muss nicht im Zusammenhang mit den Masken stehen. Wenn bei einer Zählung auffällt, dass Menschen mit Brillen weniger Geld ausgeben, käme niemand auf die Idee Brillen abzuschaffen um den Umsatz zu steigern. Das kann eine reine Korrelation sein, Zufall. Falls die Brillenträger die überteuerten Preise besser lesen können, wären wir auf den echten Kausalzusammenhang gestoßen.

Wer die Hygienemaßnahmen für den Umsatzverlust verantwortlich macht und nicht das durch eine Pandemie schwer beschädigte Konsumklima, der nimmt den Kunden aus meinem Beispiel auch die Brillen am Eingang weg, um zu verhindern, dass sie die teuren Preise lesen können. Anstatt die Preise zu senken.

Rezession, Kurzarbeit und vor allem die Infektionsgefahr sind die Faktoren, die tatsächlich das Konsumklima beschädigen. Übrigens auch online. Selbst Amazon hat während der Krise beispielsweise im Fashionbereich Umsatz verloren. Und da werden die Kunden kaum mit Maske vor dem Bildschirm sitzen.

Die Motivation spendabel durch Läden zu lustwandeln, wenn jeder entgegenkommender Mensch ein potentielle Bedrohung darstellt, ist momentan gering. Ob mit oder ohne Maske.

Die Hygienemaßnahmen sind der Grund dafür, dass der Einzelhandel überhaupt noch Umsatz macht

Wieso ich so vehement darauf beharre dass die Maskenpflicht keinen negativen Einfluss auf den Umsatz hat, lässt sich am besten durch die Frage darstellen „Was passiert wenn die Maskenpflicht und die Hygienemaßnahmen wegfallen?“

Die Antwort liefert eine aussagekräftige Umfrage des Verbandes Bitkom.

Die Menschen würden sich ohne Hygienemaßnahmen extrem unwohl fühlen. Die Maskenpflicht und die Mindestabstände sowie die gesamte Atmosphäre mag unangenehm sein – aber das Unwohlsein der Menschen beim Betreten eines Ladens lässt sich so wenigstens etwas reduzieren.

Je sorgfältiger und sichtbarer Händler auf die Hygienemaßnahmen achten und hygiene-ignorante Kunden höflich auf die Einhaltung hinweisen, desto wohler wird sich die Mehrzahl der Kunden beim Einkaufen fühlen. Was dazu führt dass Umsatz entsteht.

Werden die Hygienemaßnahmen oder die Maskenpflicht mitten in der Pandemie abgeschafft, würden die Menschen sich so unwohl fühlen, dass noch mehr online gekauft wird und der Einzelhandel endgültig keinen Umsatz mehr macht.

PS.: Digitalisiert Euch und passt euer Geschäftsmodell den digitalen Kanälen an liebe Händler, das könnte tatsächlich mehr Umsatz bringen.

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2 Comments

  • Marcus

    Was ein Sxhwachsinn!

    Selbstverständlich geht kaum noch jemand in ein Einkaufszentrum wenn er -trotz 99,999% Gesunder in Deutschland- diese Masken tragen muss.

    Gehen Sie mal auf die Straße und fragen die Menschen statt so einen Blödsinn zu verzapfen.

    • Jochen G. Fuchs

      Lieber Marcus,

      kommen da noch Argumente oder nur Beleidigungen?

      Ich diskutiere gerne, aber „Schwachsinn“ ist kein Argument. Das hier allerdings schon: Der Bitkom hat über 1000 Menschen befragt, ob die jetzt „auf der Straße“ waren, kann ich Ihnen nicht sagen.

      Es ist klar, dass die Masken den Einkauf weder angenehmer noch schöner machen. Sie vermitteln zusammen mit den Hygienemaßnahmen aber ein Schutz(gefühl). Und das wiederum sorgt dafür dass Menschen überhaupt einkaufen gehen. Es mag einen geringen Prozentsatz der Kunden geben, die kein Schutzgefühl empfinden, aber die Mehrheit eben doch. Und nach der sollte der Handel sich ausrichten.

      Viele Grüße
      Jochen

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