Number26 degradiert sich selbst zum Spielzeug und beschädigt einen ganzen Fintech-Zweig [Kommentar]

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Number26, das Startup, das den Banken das Grausen lehren wollte, hat seinen Kunden das Grausen gelehrt. Was ist passiert? Einigen hundert Kunden wurde das Girokonto gekündigt. Zuerst ohne Begründung, nach medialem Druck kamen dann doch Erklärungen: Geldwäscheverdacht einerseits und „Mißbrauch“ von Bargeldabhebungen andererseits. Was nicht einfach nur ein Kommunikationsdisaster von Number26 war, sondern ein fataler Fehler, der Number26 zum Spielzeug degradiert und den Fintech-Zweig der „neuen Girokonten“ nachhaltig beschädigt hat. Ein Kommentar von Jochen G. Fuchs. 

Girokonten sind heilig

Girokonto-Kündigungen sind in Deutschland ein Makel, keine Bank kündigt Girokonten ohne Vorwarnung und ohne den Kontakt zum Kunden zu suchen. Eigentlich werden Konten nur gekündigt wenn strafbares Verhalten des Kunden vorliegt – oder der finanzielle Rahmen extrem und dauerhaft gesprengt wurde. Oder Pfändungen über lange Zeiträume vorliegen, ohne dass das Konto in ein Pfändungsschutz-Konto gewandelt wird.

Mein Girokonto regelt mein Leben. Meine Miete, mein Strom, der Handyvertrag, kurz alle Lastschriften des täglichen Lebens gehen hier ab. Das zu ändern ist aufwendig, aus diesem Grund wechselt niemand leichtfertig sein Konto.

Das Damoklesschwert der Kontokündigung

Wieso degradiert sich Number26 zum Spielzeug? Ganz einfach: Wenn ich mich als Kunde nicht auf Number26 verlassen kann, und damit rechnen muss, dass mein Konto wahllos gekündigt wird, dann ist das Konto nur noch ein Spielzeug.

Einem solchen Konto vertraue ich ganz sicher nicht die Regelung meines Alltagslebens an. Mein Gehalt bekommt ein solches Konto nicht. Vielleicht etwas Spielgeld, aber das war’s dann schon.

Number26 versteht nichts vom Bankgeschäft

Die Tatsache dass sich diese Erkenntnis nicht bei Number26 schon vorher gebildet hat, zeigt dass das junge Fintech sich der Verantwortung als Bank und der Sensibilität des Themas in der Gedanken- und Gefühlswelt seiner Kunden nicht bewusst ist.

Dass Bargeldabhebungen der Kunden den Ertrag belasten ist von vornherein bekannt. Und im Bargeldland Deutschland zu erwarten. Das muss man im Produkt abfangen. Mit einer offiziellen Begrenzung und Gebühren. Wie das jetzt durch die Einführung einer Fair-Use-Policy bei Number26 geschieht.

Und nicht durch Kündigungen, die erst gar nicht und dann nur widerwillig und nach medialem Druck erklärt werden.

So verspielt man das Vertrauen seiner Kunden und den Ruf einer ganzen Branche.

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